Kandern Feuerfest
Ein Unternehmen mit Tradition
Schon um das Jahr 1600 war - dem Ältesten von den Zerstörungen des Dreißigjährigen Krieges verschont gebliebenen Kanderner Kirchenbuch nach - der Name Kammüller verbunden mit dem Grundstück, auf dem heute neben der früheren Hinteren Mühle die Anlagen unserer Firma stehen, und seit dem Ende des 17. Jahrhunderts auch mit der Industrie der Steine und Erden. Der um das Jahr 1590 in Kandern geborene Hintermüller Friedlin Kammüller, dessen Sohn Friedrich, Hintermüller und Richter zu Kandern, und sein Enkel Friedrich, widmeten sich der Kundenmüllerei auf der Hinteren Mühle. Der Urenkel Johann Jakob übernahm dazu die Ziegelei seines Onkels Matthias, die fortan neben der Hinteren Mühle betrieben wurde, und zwar in Erbfolge nacheinander von Fritz, Stabhalter, dann Johann Jakob, Zieglermeister, dann Emil Georg Friedrich, Stabhalter, und zunächst auch von Johann Jakob, Hintermüller und Bürgermeister zu Kandern. Für seine demokratische Überzeugung als Mitglied der im Jahr 1849 gewählten badischen konstituierenden Versammlung bestraft, sah dieser sich aber im Jahr 1853 gezwungen, einen der beiden Betriebe aufzugeben. Als Müller behielt er die Hintere Mühle und verkaufte die Ziegelei, aus der dann die langjährige Nachbarfirma, die Tonwerke Kandern AG, hervorgegangen ist.
In zunehmendem Maße schränkte jedoch in den folgenden Jahren das Auftreten der großen Mühlen im Wiesental und die stetige Verminderung des Wassers der Minderkander die Aussichten des Müllereibetriebes ein; daher entschloss sich der Sohn Ernst Kammüller-Daeublin, doch wieder zu dem nun schon traditionellen zweiten Beruf der Familie, wenn auch auf dem Spezialgebiet der feuerfesten Erzeugnisse, zurückzukehren. Die von ihm gegründete Kanderner Tonwarenfabrik Ernst Kammüller in Kandern begann ihre Tätigkeit am 1. Oktober 1878. In offenen Schuppen wurden aus dem bei Kandern gewonnenen Ton feuerfeste Steine hergestellt und - anfangs dem damaligen Brauch entsprechend noch zusammen mit Kalk, Backsteinen und Ziegeln - in zwei Schachtöfen gebrannt; so blieb die Fabrikation zunächst auf die Monate April bis Oktober beschränkt. Die stetig wachsende Nachfrage erlaubte es, im Jahre 1900 neben der alten eine neue, größere Anlage für den Ganzjahresbetrieb zu errichten.
Die Gründung einer Verkaufsfiliale in Basel im Jahre 1903 sicherte eine engere Verbindung mit unseren schweizerischen Kunden. Im Jahre 1907 beschloss der Tod Ernst Kammüller-Daeublins arbeitsreiches Leben, und das aufblühende Unternehmen ging an dessen Witwe über. Der älteste Sohn Ernst, der 1890 in die Firma eingetreten war, übernahm die Leitung, während der zweitälteste Sohn Fritz sich der dazugehörigen Landwirtschaft widmete; der Mühlenbetrieb wurde im gleichen Jahre eingestellt. Die feuerfesten Erzeugnisse fanden in Südwestdeutschland, in der Schweiz, im Oberelsass und in Vorarlberg guten Absatz, bis der Ausbruch des Ersten Weltkrieges die bisherige stetige Entwicklung unterbrach.
Im Jahre 1919 starb hoch betagt die Inhaberin des Unternehmens, und dieses ging in der Form einer Offenen Handelsgesellschaft an die drei Söhne Ernst, Fritz und Markus über. Regierungsbaurat Dipl.-Ing. Markus Kammüller trat zwei Jahre später zur Übernahme der technischen Leitung in die Firma ein.
Das Unternehmen hatte sich von den Folgen des Ersten Weltkrieges bald erholt und setzte seine erfreuliche Entwicklung fort. Es wurden die bisherige Dampfkraft durch elektrischen Antrieb ersetzt, die Betriebseinrichtung ergänzt, in der Zielstraße zwei Häuser als Werkwohnhäuser gekauft und kurz darauf ein weiteres Haus gebaut.
In den folgenden Jahren jedoch wurde die Firma hintereinander von einer Reihe harter Schläge getroffen. Waren nach dem Kriege das Oberelsass und Vorarlberg als Absatzgebiete verloren, so schränkte nun die Einführung eines hohen Zolls auch den Absatz in die Schweiz stark ein. Die Auswirkungen der Inflation erfassten die Firma. Danach litt der Absatz im Inland unter den Erscheinungen der Wirtschaftskrise, und schließlich fügte die Abwertung des Schweizerfrankens im Jahre 1936 dem Unternehmen bedeutende Verluste zu. Massenware war in jenen Jahren nicht oder nur zu ganz unzulänglichen Preisen abzusetzen, und so galt es, bessere Qualitäten zu erzeugen, Spezialitäten zu entwickeln und auf die jeweils vom Kunden, sei es vom Hafnerhandwerk oder von der Industrie, gestellten Anforderungen bis ins einzelne einzugehen. In dieser Zeit hat sich die Firma Kenntnisse in vielen Anwendungsbereichen feuerfester Erzeugnisse und die Fähigkeit erworben, Kunden und Interessenten fachlich gut zu beraten.
Die allgemeine wirtschaftliche Belebung in der Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg teilte sich auch unserem Unternehmen mit. Der Krieg selbst wurde verhältnismäßig gut überstanden. Die eingetretenen Zerstörungen hatten lebenswichtige Teile nicht erfasst; jedoch musste die Verkaufsfiliale in Basel aufgegeben werden.
Das hohe Alter der drei damaligen Inhaber der Firma legte die Regelung der Nachfolge nahe. Am 1. Oktober 1947 schieden Fritz und Markus Kammüller nach langjähriger Tätigkeit aus der Firma aus, und der jüngste Sohn Adolf des verbleibenden Teilhabers Ernst Kammüller-Grether trat in diese ein. Nach schwierigen Nachkriegsjahren kam der allgemeine wirtschaftliche Aufschwung auch unserem Unternehmen zugute. Dabei ergab sich für Adolf Kammüller die Frage, ob man auf Produktionserweiterung oder lieber auf Spezialisierung und Flexibilität ausgehen solle. Die Entscheidung für letzteres hat die weitere Entwicklung bestimmt: seitdem laufende Modernisierung mit inzwischen computergesteuerter Aufbereitungsanlage, vielseitiger Maschinenformerei, eigener Fertigung auch komplizierter Pressformen, abwärmenutzender produktschonender Trocknerei sowie Brennöfen mit flexibel programmierbaren und dabei auch hohen Brenntemperaturen. Damit werden sowohl die traditionellen Feuerfestprodukte für Ofensetzer und Kaminbauer als auch hochbeanspruchte Formsteine verschiedenster Art für industrielle Zwecke hergestellt.
Mangels familiärer Nachfolge verband Adolf Kammüller zunächst das im Jahr 1995 von ihm erworbene renommierte Schamottewerk Radeburg in Sachsen und dann auch die Kanderner Tonwarenfabrik unter dem Namen "Kandern Feuerfest GmbH" mit einem gleichfalls familieneigenen befreundeten Feuerfest-Unternehmen, wobei die eigenständig gebliebenen drei Firmen verschiedene Produktschwerpunkte haben und so in gegenseitiger Ergänzung die Anforderungen des Marktes noch besser erfüllt werden können. In Kandern liegt der Schwerpunkt aufgrund der jahrzehntelangen Erfahrung bei Formsteinen.

